ClassicSport-Umbau: Telegabel Upgrade

70er Telegabel mutiert zu „Racing-Gabel“ …

Bereits die Verwendung der TX-Gabel in meinem Rennerle ist ja schon Tuning. auch wenn sich aus heutiger Sicht, wo USD und/oder Standrohrdurchmesser von mehr als 40mm Standard sind,  ein geduldiges Lächeln kaum aus dem Gesicht stehlen mag … 😉

Nun, im engen Rahmen der Möglichkeiten  – nämlich einem schlanken Rohr von weniger als 30mm Innendurchmesser – blieben nicht so viele Möglichkeiten, den Beinen meines Rennerles nun auf die Sprünge zu helfen. Viel mehr, als für ordentliches Öl in ausgetesteter Menge und für zeitgemäße, gute Federn zu sorgen, bleibt da nicht. Oder? 🙂

Tja, ich wollte es ja etwas „härter“ haben! Somit ergaben sich schon einige Überlegungen zur Vorspannung der Feder (und dem entsprechend einige Tips und Unterstützung verschiedener Experten).

Auf Empfehlung wollte ich erstmal mit einer Vorspannung von 20mm experimentieren. Als weiteren Anhaltspunkt wollte ich auf einen Negativfederweg von 25-30% des Gesamtfederwegs unter Belastung achten.

Dazu wollte ich mir Hülsen in entsprechender Länge anfertigen. Als ich dann die Gabel zerlegte, stellte ich fest, daß bereits die original eingesetzten Hülsen für eine Vorspannung von 10mm sorgen.

Durch Längenvergleich und Stand der Feder im Rohr konnte ich Differenzen ermitteln und so ausbaldowern, wie lang meine Selbstbauhülse sein müßte, um die gewünschten 20mm Vorspannung zu erhalten.

Die neuen Federn waren 30mm länger. Im Rohr standen sie gut 65mm unter der Oberkannte des Rohres.

Der Originalstopfen hatte 31mm Einbautiefe. Damit ergab sich eine Differenz von 34mm zwischen Unterkannte Stopfen bis Oberkannte Feder. Zu dieser Differenz wollte ich nun meine gewünschten 20mm zuaddieren und hätte somit meine 54mm-Hülse gehabt. Ganz einfach!  :mrgreen:

Nun dachte ich darüber nach, ob ich nun für mein Racing-Set-Up zu den originalen 10mm Vorspannung noch 20mm ergänzen sollte, oder ob es dann mit nur noch 10mm mehr nicht schon genug wäre. Insofern wäre die Hülse entweder 54 oder 64mm lang geworden … hmm …

Aber dann kam mir eine Idee … 🙄 :mrgreen:

Wäre doch klasse, wenn mir die Gabel zu weich wäre und ich dann noch etwas strammer stellen könnte – oder, wenn ich auf Block gehe, sie etwas entspannen könnte! Klar – daß ich jetzt nicht einen ganzen Satz Hülsen basteln wollte! :mrgreen:

Ergo: Einstellstopfen! 😎

Na einiger Expertenbefragung fand ich heraus, daß die japanischen Inscheniöre trotz unterschiedlicher Rohrdurchmesser scheinbar durchgängig Stopfen mit M28x1-Gewinden verbaut hatten. Da mich diese Erkenntnis aber erst ereilte, als ich schon tief in meiner Tüftelei steckte, sollte mich das nicht mehr beirren. Auch die im www erhältlichen Einstellstopfen mit 3-facher Verstellung genügten meinem Anspruch an stufenloser Verstellbarkeit und vor allem Selbstverwirklichung nicht mehr … 😉

Da nun meinen technischen Möglichkeiten auch gewisse Grenzen gesetzt sind, entschied ich mich nach einigen Experimentierens für eine geschmeidige Transformation bereits existierenden Materials:

von links: Gabelstopfen FZR600 R; Vorspannstift; Stopfen „blank“; Stopfen TX750

Im Regal lagen noch ausgediente Stopfen einer deutlich jüngeren Yamaha-Schwester (FZR600 R) mit irgendwas um die 40mm Standrohrdurchmesser.

Also: Stopfen zerlegt und geschwind mit der Bank auf den gewünschten Durchmesser runtergedreht. Dann noch das feine Gewinde reingeschnitten und fertig ist die Laube! So war der Plan … 😉

Während des Denkprozesses wurde mir jedoch bewußt, daß die Stopfengewinde in den Standrohren erst recht tief anfangen und die FZR-Stopfen ca. 10mm kürzer sind, als die Oridjinäls und damit nur knapp bis ins Gewinde reinreichen würden.

Alle Überlegungen, doch die vorhendenen Stopfen irgendwie umzubauen arteten in hochkomplexe und viel zu aufwändige Konzepte aus, so daß am Ende nur die Komplettanfertigung neuer Stopfen sinnvoll und logisch erschien. Hier stellte sich inzwischen ja „nur noch“ die Herstellung der 6-kant-Krone als Problem dar… Nun – ich wollte es wenigstens probieren! Maschinen hatte es auch nicht immer gegeben und mit ein wenig Geduld und Fleiß … denn: ich war ja noch jung! :mrgreen:

Da mir als „Drehneuling“ das Gewindeschneiden noch einiges Kopfzerbrechen bereitete, wählte ich den „einfach-und-geschmacklos-Weg“:

Das kam dabei heraus:

Eigenbau-Stopfen mit M28x1 Feingewinde, 17er Krone 

Und nun:

Zum Zentrieren nutzte ich bis zum Greifen des Schneideisens den Originalstopfen, eine Sechs-kant-Schraube und den Reitstock.

Hier nun das Gesamtergebnis:

Vorspannstopfen mit eingeschraubtem Spannstift und Vorspannhülse

Mit der neuen Einbautiefe des Einstellstopfens nochmal die Differenz ermittelt und entsprechend die Hülse gedreht. In diesem Fall hat der neue Stopfen inklusive herausragendem Stift eine Einbautiefe  von 40mm (statt vormals 31mm). Er bietet mir zudem mehr als  20mm stufenlos einstellbare Vorspannung. Ich kann deshalb eine Hülse – die mir wie im Original-Setup 10mm Vorspannung bietet – von 35mm Länge verbauen und habe damit dann die Möglichkeit mit meinem Stopfen zwischen 10 bis 30mm Vorspannung zu realisieren. 🙂

Am Ende habe ich mich noch dazu entschieden, die Vorspannhülse mit 10mm-Sackloch zur Führung des Sannstiftes auszustatten.

Soweit ist’s wohl das Maximum, was mit der etwa 40 Jahre alten Gabel drin ist. Damit bleibt sie noch einigermaßen zeitgenössisch. Einstellbarkeit von Zug- und Druckstufe sind eher Kinder der folgenden Jahrzehnte.

Ich will nicht verschweigen, daß sich auch zu diesem Entwicklungsstand wieder ungeahnte Aufgaben einfanden: die Klemmbolzen für die Steckachse hatten schon deutlich bessere Tage gesehen – ein Phänomen, das wohl des Öfteren auftreten soll: Ergebnis fehlgeleiteter Willenskraft oder schlichtweg falsche Montage … Da mußte noch schnell Ersatz her …

Hier nun aber –

nach Erledigung aller erwarteten und unerwarteten, sowie nötigen wie auch unnötigen Aufgaben –

 die fertige Gabel:

     

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