Motorradtechnik – Progressive Federn

Unterschieden wird zwischen „linearen“ und „progressiven Federn. „Linear“ kennzeichnet hier das Verhalten zwischen einwirkender Kraft und Auslenkung der Feder: je höher die Kraft, desto stärker die Auslenkung (Kompression oder Dehnung).
Während lineare Federn die auf sie wirkende Kraft also durch gleichförmige Kompression aufnehmen, muß bei progressiven Federn bei steigender Kompression zunehmende – „progressive“ – Kraft wirken.

Nutzen für Fahrzeuge:

Im normalen Straßenverkehr würde eine lineare Feder, die auf hohen Fahrkomfort ausgelegt ist, bei schwereren Fahrbahnunebenheiten schnell an ihre Grenzen kommen. Starkes Einfedern bis Durchschlagen der Feder sind die Folge. Die Lösung stellen progressive Federn dar. Ihnen ist „nichtlineares“ Verhalten sozusagen anerzogen worden. Sie können aufgrund ihrer Konstruktion sinnbildlich gesprochen „unterscheiden“ zwischen feinen und groben Unebenheiten. Während sie bei leichten Unebenheiten hohen Komfort bieten, steigt Ihre Dämpfung entsprechend der Belastungssteigerung. Ein Durchschlagen wird verhindert.

Konstruktion:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, nichtlineares Federverhalten zu realisieren, von denen ich in Bezug auf mein Thema aber nur einen kleinen Ausschnitt nenne:

  • Zylindrische Schraubenfedern mit unterschiedlichen Drahtdurchmessern:
    Dickerer Draht in den mittleren Wicklungen
  • Zylindrische Schraubenfedern mit unterschiedlichem Wicklungsabstand:
    Weitere Wicklung an einem Ende – engere Wicklung am anderen Ende
  • Zylindrische koaxiale – also ineinander gesteckte oder parallele – Schraubenfedern mit unterschiedlicher linearer Kennlinie

 

Ikon/ Koni Federbeine mit progressiver Wicklung

„Ikon“ Dämpfer sind baugleich mit „Konis“. Der australische Generalimporteur
übernahm die Produktion nach der Geschäftsaufgabe der Firma Koni – deshalb
der ähnliche Name.

Gleichwohl stellt die Telegabel beim Motorrad ein abgeschlossenes System dar, das neben der Feder auch noch Anteile von Luft ud Öl beinhaltet. Beide Stoffe sind bis zu einem Punkt – progressiv – komprimierbar. Das heißt, der Kraftaufwand zur Kompression nimmt zu. Insofern bietet eine Telegabel stets eine progressive Dämpfung. Diese wird jedoch durch eine progressive Feder verstärkt, wogegen eine lineare Feder diesen Effekt mildert.  

Auf der Rennstrecke gelten andere Bedingungen als auf der Straße. Hier ist das Fahrwerk ständig hohen Kompressionskräften ausgesetzt. Eine progressive Feder würde hier bei Spitzenbelastungen (z.B. beim Überfahren von Kurbs) zu einem mitunter plötzlich versteiften Fahrwerk führen, nicht mehr ansprechen und die Belastung direkt auf den Reifen weiterleiten. Der so belastete Reifen kann, neben dem damit verbundenen hohen Verschleiß, nur ein schwammiges Fahrverhalten herstellen.
Hier empfiehlt sich entsprechend obiger Erklärung der Einsatz harter, aber linearer Federn, die einerseits ein gleichmäßiges und damit berechenbares Federverhalten und andererseits längere Federwege ermöglichen.

Für mich bedeutet das: Es sollten also noch Erkundigungen eingeholt werden, ob ich die Wirth-Federn wirklich in meine TX-Gabel einbauen, oder nicht nochmal auf die Suche nach harten linearen Federn gehen würde…

Abschließende Anmerkung: Nach inzwischen eingeholtem Kenntnisstand gibt es für die vorliegenden XS-/ TX-Rohrdurchmesser (kleiner 40mm) keine harten linearen Federn. (Stand August 2011)

Siehe hierzu auch: Motorradtechnik – das Fahrwerk 

Insofern war die Zielsetzung, bei der Wahl von härteren – wenngleich progressiven Federn – die Gesamtprogression nicht zu sehr zu erhöhen. Hier sollte dann noch einige Tüftelei auf mich zukommen … 😉

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